Wo bleiben die jungen Architekten?

Die Bau- und Planungsbranche hatte in den letzten Jahren gut lachen. Ihre Auftragsbücher waren bis oben gefüllt. Leider machten sich dadurch die freien Arbeitskräfte rar. Anderseits kommen laufend junge Menschen zu uns, die sich für eine Lehre als technische Zeichner mit Fachrichtung Architektur entschieden haben. Sie schlagen damit den Weg zu einem vielseitigen Beruf ein und schaffen sich eine ausgezeichnete Basis für spätere Weiterbildungen – sei es zum Bautechniker, Bauleiter oder zum Architekten. Das freut uns sehr.

Weniger freut uns, dass wir mit unseren Stelleninseraten auf geringes Echo stossen. Wo bleiben die jungen Architekten? Liegt es an unserem Standort in der Ostschweiz? Tatsächlich stossen die Ausschreibungen unseres Büros in Winterthur auf mehr Resonanz. Dort gibt es eine Fachhochschule und man ist nahe bei der Stadt Zürich mit ihrem vielfältigen kulturellen Angebot. Wer im Raum Zürich lebt und studiert, rümpft möglicherweise die Nase beim Gedanken, nach der Ausbildung eine Stelle in der «biederen Ostschweiz» anzutreten.

Gibt es einen Ausweg aus dieser Misere? Vielleicht. Die neue Architektenausbildung an der FHS St. Gallen könnte zum Nährboden für eine Architekturkultur werden und damit die Ostschweiz als Arbeits- und Lebensraum für unseren Berufszweig attraktiver machen. Solche Entwicklungen sind auch in Randregionen möglich. Dies zeigten vor wenigen Jahrzehnten die Tessiner oder die Vorarlberger Schule – um einen unbescheidenen Vergleich zu ziehen.

Blogbeitrag vom 15. Augut 2019; Stephan Rausch und Titus Ladner