Einheitsbrei oder architektonische Vielfalt?

Seit einigen Jahren schon sind hierzulande Investitionen in den Wohnungsbau attraktiv – und der
Trend hält weiter an. So gewinnen Unternehmen an Bedeutung, die sich auf Immobilienentwicklung
spezialisiert haben. Ihre Aufgabe besteht darin, Bauprojekte markttauglich zu gestalten. Dabei rücken Fragen in den Vordergrund wie: Rechnet sich die Investition? Verheisst die Liegenschaft eine angemessene Rendite?

Selbstverständlich will jeder Investor aus seinen Häusern Wert schöpfen. Bei Fragen des Standorts oder der Machbarkeit von Nutzungsideen wendet er sich daher oft an Immobilienentwickler. Diese tendieren zu «sicheren» Lösungen: Sie nehmen das bestehende Angebot an vermieteten Wohnungen als Norm für die Grösse von Zimmern und Balkonen oder die Ausstattung von Küchen und Nasszellen. Sie erheben also das Mittelmass – oder sollten wir sagen: die Mittelmässigkeit? – zur Maxime, der sich auch prägende Architekturelemente wie etwa Fassadenstrukturen anzupassen haben.

Die Entscheidung, welche Wohnungen gebaut werden, fällt somit indirekt in die Hände von Immobilienentwicklern, notabene einer relativ jungen Berufsgattung. Doch das Risiko trägt weiterhin der Investor. Obwohl in den Agglomerationen gebaut wird wie selten zuvor, kommen individuelle Wohnformen kaum noch zum Zug, von neuen architektonischen Ideen ganz zu schweigen. Diese Gleichmacherei könnte sich bei einer Trendwende leicht rächen. Investoren täten gut daran, dem
Einheitsbrei im Immobilienmarkt zu misstrauen.

Blogbeitrag vom 06. November 2017; Titus Ladner und Stephan Rausch